STEFFEN PFROGNER  Stadtplaner Architekt Potsdam   für BAUKULTUR   mit den STADTENTWICKLERINNEN

 

P R O   N A H V E R S O R G U N G              

Stadtentwicklung ist immer Veränderungen unterworfen. Manches ist dabei kritisch zu hinterfragen. Die von Veränderungen betroffenen Einwohner suchen in ihrem bürgerschaftlichen Engagement häufig nach alternativen Lösungen. Soweit es inhaltlich Übereinstimmung mit meinen fachlichen Kenntnissen und Anschauungen gibt, engagiere ich mich in im örtlichen und sozialen Umfeld ehrenamtlich in den Fragen der Stadtentwicklung.

Die drohende uns zwischenzeitlich erfolgte Schließung einer Nahversorgungseinrichtung in der südlichen Waldstadt II in der Landeshauptstadt Potsdam besorgte die unmittelbar davon betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner. Infolge dessen gründete sich die Bürgerintiative "Pro Nahversorgung Zum Teufelssee 8", die den Wunsch nach einer fußläufig erreichbaren Nahversorgung aufgriff. Sie forderte die Stadtverwaltung auf, vor Erteilung einer Baugenehmigung für eine am gleichen Standort geplante Wohnanlage Lösungswege für den Erhalt einer Nahversorgung am Standort Zum Teufelssee 8 in neuer Gestalt zu erarbeiten und umzusetzen.

Zur Untersetzung dieser Forderung organisierte die Bürgerinitiative auf der Grundlage des § 3 Abs. 2 Buchstaben b und e der Hauptsatzung der Landeshauptstadt Potsdam die Einberufung einer Einwohnerversammlung für den Stadtteil "Waldstadt II - südlicher Bereich". Im Antrag wurde vorsorglich auch darauf hingewiesen, dass in der Zwischenzeit keinerlei Schritte der Stadtverwaltung, insbesondere kein Verkauf angrenzender kommunaler Grundstücksflächen, unternommen werden sollten, die dem Anliegen des Antrages entgegenstehen. Der Antrag ist von deutlich mehr als der nach § 3 Abs. 2 der Hauptsatzung geforderten 3 % der Einwohner dieses  Stadtteils gestellt worden (885 Unterschriften). 

A U S   D E R   B E G R Ü N D U N G   D E S   A N T R A G E S

Die geplante ersatzlose Schließung der Edeka-Kaufhalle wird seitens der Stadtverwaltung und des Investors mit "kein Bedarf" begründet. Eine solche Begründung ist nicht hinnehmbar, denn:

  • Im Kerneinzugsgebiet gibt es 2.030 Wohnungen mit ca. 4.100 Einwohnern.
  • Täglich besuchen ca. 500 Kunden die Edeka-Kaufhalle.
  • Die Kunden kommen in der Regel zu Fuß oder im Rollstuhl.
  • Für viele Kunden wird die Entfernung zum Waldstadt-Center als zu weit und zu beschwerlich angesehen.

Die Kunden wünschen ausdrücklich eine fußläufig erreichbare Nahversorgung und möglichst mit einem zusätzlichen Angebot an Gastronomie- und Dienstleistungen, wie Café, Friseur, Physiotherapie usw. Der Bedarf wird aufgrund der demografischen Entwicklung eher steigen als abnehmen.

Wir erwarten, dass der Investor ein Konzept für ein Mischprojekt entwirft und dabei das Erdgeschoss mit Gewerbenutzung plant und entwickelt. In die Überlegungen sollte auch der Weiterbetrieb der Postfiliale einfließen. Bisher hat die Deutsche Post noch keine Lösung für eine Sicherung der Postdienstleistungen in der Waldstadt gefunden. Das Problem des Standortes und des Betreibers einer Postfiliale könnte mit der Einrichtung am Standort Zum Teufelssee 8 gelöst werden.

Von der Machbarkeit eines an den Bedürfnissen der Einwohner orientierten und wirtschaftlich tragbaren Konzeptes sind wir überzeugt. Zur Umsetzung bedarf es des guten Willens des Investors, der Betreiberin und der Stadtverwaltung. Mit der Einwohnerversammlung wollen wir bei den Entscheidungsträgern die erforderliche Motivation wecken und auch gern Hinweise zur erfolgreichen Umsetzung des Projektes geben.

E I N W O H N E R V E R S A M M L U N G   A M   1 6 .   J U N I   2 0 1 0

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 Dann gab es Irrungen und Wirrungen ...

 

 

 

 

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... die dann ausgeräumt werden konnten. Bei der Unternehmensgruppe Semmelhaack erfolgte in den letzten Wochen eine Änderung der architektonischen Planung unter Berücksichtigung der von der BI vorgeschlagenen Sicherung einer Nahversorgungs-einrichtung. Da sich die privatrechtlichen Verhandlungen zwischen der Unternehemsgruppe und einem Handelsunternehmen in der Endphase befinden, hält die Verwaltung es zum jetzigen Zeitpunkt nicht für hilfreich, in diesen Prozess mit einer von der BI erbetenen öffentlichen Informationsveranstaltung einzugreifen. Die Stadtverwaltung plädiert dafür, das noch im Jahre 2011 mögliche Verhandlungsergebnis abzuwarten und dann eine gemeinsame Presseinformation herauszugeben. Im Januar 2012 könnten dann auf einer von der BI vorgeschlagenen Informationsveranstaltung sowohl Investor, das Handelsunternehmen und die Stadtverwaltung Rede und Antwort stehen.